In einer Zeit in der uns "Handtaschenhundchen" auf
Schritt und Tritt begegnen - im Fernsehen, in Zeitschriften und beim
Stadtbummel - finde ich es umso erfreulicher, dass "meine" Rasse, der
Zwergpinscher, keine Modeerscheinung ist, sondern auf eine lange
Rassegeschichte zurückblicken kann: Erstmals wird der Pinscher 1836 von
H.G. Reichenbach erwähnt; damals fielen noch rauhhaarige (der heutige
Schnauzer) und glatthaarige (der heutige Pinscher) Welpen in einem Wurf.
F. Hebbel berichtet uns 1839 von seinem kleinen Pinscher, der ihn auf
seiner winterlichen Wanderung von Hamburg nach München begleitet hat.
Der Tiermaler Jean Bungartz zeichnete 1888 die erste uns bekannte
Abbildung eines Zwergpinschers, weitere Bilder aus der folgenden Zeit
zeigen Pinscher in den Farbschlägen Pfeffer/Salz, Schoko, Blau, Isabell
und Harlekin.
Der Zwergpinscher wurde früher als Hof- und Stallhund gehalten und hatte
die Aufgabe Mäuse und Ratten von den Höfen fern zu halten. Ein
passionierter und erfolgreicher Mäusefänger ist er bis heute. In den
Jahren nach dem 1. Weltkrieg wurde versucht, aus dem Stallhund ein
zierliches Modepüppchen für feine Damen zu züchten; die Gesundheit und
das Erscheinungsbild haben damals sehr darunter gelitten. Herrn Josef
Berta (Vorsitzender des Pinscher Schnauzer Verbandes 1895 - 1921) haben
wir es zu verdanken, dass sich der robuste, typische Zwergpinscher
wieder durchsetzte.
Es gibt mehrere Meinungen dazu, woher der Name Pinscher stammen könnte.
Einige glauben, er wäre eine Ableitung des englischen "to pinch"
(greifen, kneifen), andere glauben, daß er vom französischen "pincer"
(schnappen, fassen) stammt. Beide Bedeutungen passen auf den Pinscher,
der die Eigentümlichkeit besitzt, sein Spielzeug oder Beute mit den
Pfoten zu greifen.
Heute ist der Zwergpinscher ein kompakter Kleinhund
mit einer Größe von 25 - 30 cm Schulterhöhe und einem Gewicht von 4 - 6
kg und wird in den Farbschlägen rot und schwarz/rot gezüchtet. Er hat
eine elegante Erscheinung und ist das verkleinerte Abbild seines
größeren Vetters. dem Deutschen Pinscher.
Laut Rasseporträt findet er Verwendung als Familien-
und Begleithund. Trotz seiner Kleinheit ist er sehr gut als Sporthund
geeignet; in Hundeschulen wird oft gestaunt, da er mit seiner
Aufmerksamkeit und seinem Lernwillen anderen Rassen häufig überlegen
ist. Durch seinen Teamgeist, seine Gewandtheit und seine Schnelligkeit
ist der Zwergpinscher für Sportarten wie Agility, Breitensport,
Dogdancing u.v.m. wie geschaffen. Auch beim Wandern, Joggen, Radfahren
und Skaten ist er gerne und mit nicht nachlassender Ausdauer dabei. Der
Zwergpinscher ist ein temperamentvoller, aufgeweckter Hund, er ist
anhänglich, verschmust und immer für ein Spielchen aufgelegt. Er hat
zudem einen ausgeprägten Wachinstinkt und meldet Eindringlinge sofort,
ist jedoch kein Kläffer. Er kann auch gut in einer kleinen Wohnung
gehalten werden, sofern man seinen Bewegungsdrang beachtet und ihm genug
Auslauf und Beschäftigung bietet. Der Zwergpinscher kann bedenkenlos
fast überall mitgenommen werden, und ist er erst mal in der Familie,
nimmt er seinen gebührlichen Rang ein. Eine große Stärke ist seine
Anpassungsfähigkeit, und der Zwergpinscher zeichnet sich durch sein
ausgesprochen liebenswertes, fröhliches Wesen aus. Mit anderen Hunden
verträgt er sich gut, und er ist sehr selbstbewusst gegenüber größeren
Artgenossen. Auch mit Katzen, Pferden, Vögeln und anderen tierischen
Familienmitgliedern freundet er sich schnell an.
Der reinrassige Zwergpinscher ist ein sehr robuster und gesunder Hund.
Sämtliche Erbkrankheiten, die den Zwergrassen gerne nachgesagt werden,
treffen auf den Zwergpinscher dank verantwortungsbewusster,
kontrollierter Zucht nicht zu. Vorsicht ist geboten beim Erwerb von
Zwergpinschern aus unkontrollierten Würfen, da hier das Risiko von
Erbkrankheiten, rasseuntypischem Aussehen und -Verhalten sehr hoch ist.
Die weltweit größte Organisation für kontrollierte Rassehundzucht ist
die FCI (Fédération Cynologique Internationale), achten Sie immer
darauf, dass Ihr Züchter Mitglied eines der FCI angeschlossenen
Verbandes ist.
Text: Spörr Margit - Zuchtstätte "vom Camp Achensee" -
http://www.pinscherzucht.at